Wien ist immer eine Reise wert, oder

„Wie machen es die anderen?“


von Thomas Reiß

 

 

Im letzten Jahr, beim Bewertungsseminar im Hause Magoschitz, wurde eine Idee geboren. Max Kahrer, der bei diesem Seminar ein wirklich guter Schulungsleiter war, lud mich ein, ihn bei der kommenden ÖGG Ausstellung zu besuchen. Er schlug mir vor, dass ich mir dort alles in Ruhe genauestens ansehen könnte, wie es die ÖGG so macht. Und ihr wisst ja, diese Ausstellung hat einen wirklich ausgezeichneten Ruf. Vorab, sie wurde ihn auch gerecht.

 

Doch erst mal weiter im Text. Ich konnte ja noch nicht erahnen, dass ich wieder mal viel zu viel um die Ohren hatte. Denn ich wollte zur gleichen Zeit Jens Bergner bei der Ausstellung der GKR beim Bewerten begleiten und am Wochenende auch noch eine Hochzeit besuchen. Dank günstiger Flugtickets von Air Berlin schaffte ich aber alles, was ich mir vornahm. 

Gestärkt, mit der 3. Ausstellung der DGD und einigen Wissen im Rücken, begab ich mich mit Hermann Magoschitz, Freundin Dorothea und Gerd Schwabe, den wir kurz vor Regensburg trafen, auf die Reise nach Wien. Klar, dass wir die Autos auch mit den Fischen anderer Guppyfreunde voll hatten. Diesen Service haben wir gerne angeboten. 

Kaum in Wien angekommen wurden wir mit einer Herzlichkeit empfangen, die ich so noch nicht erlebte. Danke dafür. Ich fühlte mich von Anfang an wohl. Walter Schuster, Michael Milde, Gerhard Ostratzil, Alfons Jestrabek und seine Frau kannte ich schon von früheren Treffen, „Brosi“ Brosenbauer vom Telefonieren und natürlich Max vom Bewertungsseminar. 

Was mir sofort auffiel, war die Tatsache, dass eine angenehme Ruhe herrschte, ohne jegliche Hektik.

Ich denke, das kam durch die jahrelangen Erfahrungen und eben der Tatsache, dass jeder eine feste Aufgabe erledigte. Max erzählte mir alles über den organisatorischen Ablauf der Ausstellung. Das begann mit den Vorbereitungen, ging über den Aufbau sowie natürlich über das Einsetzten der Fische. Geduldig gab er mir Antworten auf meine Fragen. Nie hatte ich das Gefühl, das Max mir irgendetwas einreden oder überzeugen wollte. Nein, im Gegenteil. Er überzeugte einfach mit den Tatsachen und positiven Eindrücken die es zu Hauf gab. 

Max gab mir sogar die Möglichkeit mich alleine umzusehen, den Leuten der ÖGG Fragen zu stellen u.v.m. Ich habe mir vorgenommen, meine Eindrücke in unsere kommende Ausstellung 2008 mit einfließen zu lassen. Dies ist es auch, was Max erreichen möchte, einen Ausstellungsstandard, der unserem Hobby und unseren Fischen zugutekommt. Denn wenn man im Vorfeld einige Sachen beachtet, kommt es auch kaum zu Ausfällen. Im Gegenteil, die Fische schwimmen nahezu alle putzmunter in den Becken. Keine Angst, das heißt natürlich nicht, das wir jetzt alle Ausstellungen zu 100% der ÖGG nachahmen müssen, doch wenn wir die positiven Punkte mit übernehmen können, wäre dies schon ein Erfolg. Auch Max ist für jede positiven Tipp dankbar. Den, viele Wege führen nach Rom. Bestimmt ist auch einiges bekannt und wird auch schon angewandt, doch ich möchte diese Punkte gerne auflisten. 

Das Wasser: 

Ein Teil des Wassers wurde schon mind. 1 Woche vor der Ausstellung in großen Tonnen belüftet. Ebenso hatte das Wasser dann schon die Temperaturen des Raumes. Dieses Wasser kommt in die Ausstellungsbecken und wird nun bis ca. über die Hälfte mit Frischwasser (über Schlauch) aufgefüllt. Dies passiert schon Tage vor dem Einsetzten der Fische. In die Mitte der Becken kommt nun Javamoos, nur eine kleine Handvoll, zum Einsatz. Das Javamoos, beschwert mit einem Steinchen, ist natürlich für das Wasserklima förderlich, doch dies soll nicht der Grund dafür sein, es einzusetzen. Wenn Fische in die Becken gesetzt werden, fühlen sie sich gleich merklich wohler. Auch wenn sie sich hinter dem „Bündelchen“ nicht verstecken können, haben sie ein Gefühl der Sicherheit. Ich sah keine Fische, die sich in den Ecken oder hinter dem Luftschlauch verstecken wollten. Nein, sie schwammen einfach im Becken ohne schreckhaft zu wirken.

Erst, nachdem die Becken an ihren Endplatz angelangten, wurden sie nochmals mit Resten von ausgelüfteten Wasser sowie Frischwasser aufgefüllt. Ach ja, jedes Becken wurde nur noch ein wenig Salz (Meersalz) beigefügt. Doch dafür wurde während der ganzen Ausstellung kein Wasser mehr gewechselt. Und ich sah keine trüben Becken. Ebenso standen fast alle Fische munter in den Aquarien. Ja sogar vom Versand geschwächte Tiere schwammen am nächsten Tag. 

Die Anlage: 

Auf die Anlage möchte ich gar nicht so genau eingehen, da eigentlich in Bezug auf Größe, Hintergrund und Beleuchtung im IKGH alles geregelt ist. Aber es sei erwähnt, dass der Abstand und Winkel der Beleuchtung, sowie das Farbspektrum, schon sehr sehr gut sind. Dort kommen auch metallic sowie albino Guppys toll zur Geltung. Die Lampen sind mit Abstand schräg von oben zu den Becken mit Halterungen angebracht. Das Ausschalten und einschalten der Lampen erfolgt über eine Zeitschaltuhr, die erst ein paar Glühlampen ein- oder ausschaltet. Erst kurze Zeit später kommt der Rest der kompletten Lichtanlage dazu.

 

Das Einsetzten der Fische 

Eigentlich ein simples, aber wirklich perfektes System. Bei der Einlieferung kommen die Fische in durchsichtige, nummerierte Plastikbecher. Natürlich nur mit einem Teil des Transportwassers. Diese Aufgabe erledigten 2 Personen die mit Hilfe eines „Wägelchens“, auf dem Eimer standen, von Becken zu Becken fuhren. Dort wurde immer ein Teil des Aquariumswassers in die Becken geschüttet, danach der komplette Becher in das Aquarium selbst. Eine Strichliste an jedem Becken verriet genau, wie oft Wasser von Becken in die Becher kam. Natürlich wurde alles Wasser aus dem Becher in den Eimer auf den Wagen geschüttet. Nach den 3. mal wurden die Fische dann endgültig in ihre Aquarium entlassen, komplett ohne Altwasser aber schön langsam eingewöhnt. Soviel Zeit muss sein und es dauert auch nur unwesentlich länger. Wichtig ist dabei das „Einsetzteam“.

Wie gesagt, keinerlei Hektik, da jeder seine Aufgabe hatte und nicht zu viele derer. In Österreich waren dies über 200 Sätze, nicht gerade wenig. 

Sinnvolle Ideen 

Eine sinnvolle Idee ist es, die Schläuche mit den Ausströmer im Becken zu belassen und das Verbindungsstück außerhalb anzubringen. Dadurch kann man die Becken noch von A nach B tragen, ohne neue Bakterien zu übertragen.

 

Wichtig ist meines Erachtens auch das sortieren der Ausstellungsbecken in Form- und Farbgruppen. Das macht es auch den Bewertern ein wenig leichter. Nicht alle sind so erfahren, dass sie nach einem Triangelsatz gleich einen Leierschwanzsatz und dann wieder zwei Triangelsätze und einen Spatenschwanzsatz bewerten können, ohne aus dem Tritt zu kommen. Sie erkennen bestimmt die Problematik dabei. Sortiert ist es eben für den Betrachter einfach einfacher. Ebenso erkennt man in den Farbgruppen untereinander auch gleich die feinen Unterschiede besser, ohne dass man bei der Ausstellung um zu Vergleichen durch die halbe Halle rennen muss. Schön ist in Wien, das Pflanzen zwischen diese Gruppen gestellt werden, was das ganze schön auflockert und gut aussieht. 

Ebenso sind Tische, auf denen die Becken zwischenabgestellt werden können, unerlässlich.

Eine sinnvolle Idee ist es auch, nicht allzu viele Besucher zu den Anlagen zu lassen. Jedenfalls während des Einsetzens und Bewertens. Der Bereich war gut abgetrennt. Klar, das immer ein paar einzelne Leute die gerade Fische einlieferten sich umsahen, ich selbst war ja auch da. Aber es waren nie zu viele in diesem Bereich. Ebenso ist auch die Ruhe wichtig. Was natürlich beim Bewerten eh unerlässlich ist. Wenn ich da an unsere Ausstellung denke, muss ich zugeben, dass zu viele Leute bei uns querbeet laufen und es auch viel hektischer zugeht. 

Zum Bewerten selbst sei gesagt, das Max vor der eigentlichen Bewertung nochmals grundlegende Sachen durchging und ansprach. Für die nicht Deutsch sprechenden Bewerter übersetzte Walter Schuster und Gerd Schwabe. Die Weibchensätze wurden zusammen und als erstes bewertet. Rundum muss man sagen, dass Max und sein Team alles im Griff hatten. Die Einteilung der Personen wirkte sich positiv auf die Ausstellung aus. Natürlich möchte ich noch auf die Bewirtung eingehen. Das Essen wurde mit Hilfe von Michael und Gerhard ein voller Erfolg. Es schmeckte hervorragend. Ebenso waren alle Arten von Getränken vorhanden. 

Ich kam mir vor wie ein guter alter Freund. Es fiel mir sichtlich schwer, als ich mich am nächsten Tag von allen verabschieden musste. Doch mein Flug ging pünktlich. Ich weiß aber schon jetzt, dass ich auf jeden Fall wieder kommen werde. Das ist sicher.

Danke nochmals auch an Hermann Magoschitz, in dessen Elternhaus ich übernachten durfte. Auch dort gäbe es viele tolle Sachen zu berichten, doch dies wäre eine andere Geschichte.

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